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Eine Reise
10.04.2009 18:43 (6431 x gelesen)

Als Dekorationsmaler sind wir es gewohnt, zu reisen. Die Wände kommen nicht zu uns, wir müssen zu den Wänden. Eine Binsenweisheit.

Hier gehts zum Artikel:     



Ein Kunde bat uns vor einigen Wochen, ihn doch zu besuchen, er hat einen Umbau in Ramsau (Wo auch immer das ist!) und wir sind gebeten, dort einige Malereien auszuführen. Ein sympathischer Kunde, ein Mann, hochgebildet, bei dem ich immer versuche, mich von meiner besten Seite zu zeigen. Ein Mann, bei dem ich immer ein wenig versuche, innere Haltung anzunehmen, wegen meiner Hochachtung. Ich würde gern gut dastehen, nämlich.

Diesen Montag ging es los. Ramsau also. Wohlan. Innerhalb Deutschlands liebe ich es besonders, mit dem Schlafwagen zu fahren. Ich kaufe also eine Fahrkarte für die Nacht von Sonntag auf Montag und dann gleich Montag auf Dienstag zurück. Dann brauche ich keine Hotelübernachtung und ich bin so schnell wie möglich zurück in meinem Atelier. Rationell. Logisch. Durchdacht. Günter Woost halt.

Ich fuhr mit Ingrid, was meine Frau ist. Ingrid Sörensen. Was für eine schöne Fahrt wir hatten! Die Nacht sind wir gemütlich nach München geschaukelt. Morgens Frühstück in einem Restaurant dort. Ein Frühstück wie ich es liebe. Mit allem Drum und Dran. Und mit einer Bahnlinie dann zu einer Station, die Jenbach hieß. Wir fuhren durch schneebedeckte Berge und durch grüne Täler und wir fühlten uns wie neu auf der Welt. Was für ein Genuß! Unsere Verabredung war auf einen Zeitpunkt gelegt, der so gut in der Zeit lag, dass wir uns nicht das kleinste Bißchen Sorgen um die Zeit machen mussten. Wir fühlten uns so geborgen! Und zuletzt fuhren wir mit der Zillertalbahn. Kennen Sie die Zillertalbahn? Mir fällt nur „märchenhaft“ ein. Eine Schmalspurbahn, die in äußerster Langsamkeit von Milchkanne zu Milchkanne fährt und das Märchen so langsam an den Fenstern vorbeischiebt, dass wir jede Sennerin und jedes Schneefeld und jeden murmelnden Bach in unsere Seele aufnehmen konnten.

Dann Ramsau. Der Kunde bat uns telefonisch, er hätte nicht recht die Zeit uns zu holen, doch mit dem Taxi zum Haus zu fahren und wir suchten (auf Nachfragen und auf einem Hinterhof) uns ein Taxi. Der Fahrer kam gemütlich vom Essenstisch herunter und fragte nach dem Ziel der Reise. Wir nannten ihm die Adresse und das Anwesen.

Er stutzte. Runzelte die Stirn. Und sah uns mitleidig an.

Wir waren im falschen Ramsau.

Unser Ramsau lag leider einige hundert Kilometer weiter. Unerreichbar. So fern wie Timbuktu.

Was blieb uns also. Wir mussten ja nun dem Kunden gestehen, was für welche wir sind! Aber wir würden versuchen, noch in das richtige Ramsau zu kommen. Wenn´s klappt noch heute.

Zurück in die Zillertalbahn. Was für ein blöder, langsamer Zug! Der brauchte ewig für die paar Kilometer von Ramsau bis Jenbach. Leben die denn hinter dem Mond? Angeberische Skifahrer drängelten sich in den Wagons. Die Sonne blendete und wir waren viel zu warm angezogen!

Ja, wir kamen noch rechtzeitig vor der Dunkelheit im richtigen Ramsau an. Und ja, es war noch ein gutes Gespräch und ein Erfolgreiches dazu. Und auch richtig, die skizzierte schlechte Laune im letzten Satz habe ich etwas übertrieben dargestellt.

Aber dennoch, was für ein Tag!

Zuletzt fuhren wir wieder mit dem Taxi zum Bahnhof, diesmal dann in Bergtesgaden, und unser Taxifahrer sagte erstens, diese Geschichte sollen wir besser für uns behalten, wegen unseres Rufes und zweitens, es gäbe noch mehrere Ramsau, und das Bekannteste würde häufig verfehlt und er hätte mindestens drei Touren im Jahr dorthin und das wäre eine echte Einkunftsquelle für ihn. Aber das von ihm genannte Ramsau war nicht „unser“ Zillertal-Ramsau.

Wir haben also nur durch Glück im zweiten Anlauf das Richtige gefunden.

Uns wurde ganz schwindelig.


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