Der schneidige Unternehmer in mir.
Komisch, erst vor wenigen Jahren wurde mir etwas klar, was schon meine Eltern mir vorwarfen, ich aber immer etwas von mir gewiesen hatte: Ich bin wirklich kein harter Geschäftsmann. Und werde nie einer sein. Ich bin kein guter Verhandler. Ich bin immer auf Ausgleich aus. Ich brauche Harmonie. Eine gute Arbeit kostet mich oft mehr Anstrengung als sie in Heller und Pfennig wert ist. Ich nehme oft Aufgaben an, die nur schön sind, leider nicht lukrativ.
Ja, ich bin ein Träumer.
Ein Hans-Guck-In-Die-Luft.
So führe ich mein Leben. Und so bekomme ich meine Ideen. Und darauf bin ich angewiesen. Ohne Ideen macht meine Arbeit ja niemandem Spaß und alles bleibt bedeutungslos.
Und in meinem Träumersein bin ich kompromisslos. Ich bestehe drauf. So bin ich einfach.
Manchmal werde ich nun gefragt: Günter, wie machst du das? Bei Dir läuft es doch so gut. Ist da nicht ein Widerspruch? Oder ich gerate in den Verdacht, ich würde mich nur tarnen, im Herzen wäre ich wohl doch ein harter Hund!
Aber nichts davon ist wahr. Ich hab drüber nachgedacht. Und es ist ganz einfach:
Was ist denn, wenn einer ein Träumer ist? Wovon träumt er denn? Und, ja, ich Träume von Dingen, die manchem unrealistisch und blöd vorkommen. Ich träume davon, dass die Kriege aufhören. Ich Träume davon, dass alle Menschen Brüder sind. Und das Gott gütig ist für die Gläubigen und für die Atheisten die Hölle nur ein blödes Märchen.
Aber ich träumte auch, ich könne meine Kinder gut und schön ernähren und großziehen. Und ich träumte, ich könne von meiner Kunst leben und ein gutes Leben führen. Und ich träumte, die Verhandlungspartner in meinem Leben mögen so um Ausgleich bemüht sein wie ich. Und ich träumte, die Projekte, die manchmal nicht so viel Geld bringen (oder überhaupt keins) mögen trotzdem auf irgendein Lebenskonto von mir fließen.
Nun lieber Leser (danke dass Du durchgehalten hast), was soll ich sagen. Meine Träume haben funktioniert. Und dafür bin ich sehr dankbar. Jedenfalls die, die ich zuletzt aufgezählt habe, haben funktioniert.
Aber wie wahrscheinlich kann es denn aus der Sicht eines Träumers sein, dass nur die eine Hälfte seiner Träume realistisch ist, die andere Hälfte aber ist Quatsch? Nein, ich kann nicht anders. Ich bleibe Träumer.
Die eine Hälfte dauerte etwas und ich habe mit Geduld und guter Laune gewartet und experimentiert. Die Andere wird halt etwas länger dauern!
You may say I'm a dreamer, but I'm not the only one.
J.Lennon


