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Das Drama der Kommunikation.
20.09.2015 18:34 (7153 x gelesen)

Sie und ich. Voller Missverständnisse.

Hier gehts zum Artikel:     



Farbe. Darüber wollen Sie mit mir sprechen.
 
 
Jeden Tag wollen Sie mit mir über Farbe sprechen, und also führe ich täglich Gespräche über Farbe. Ich bin Maler und Sie sind Kunde. Oder Kollege. Oder interessiert. Da ist das ja zu erwarten, dass das Hauptthema zwischen uns Farbe ist.
 Unglücklicherweise aber ist Farbe eine Sache des Sinnlichen, nicht des kommunikativen Bereiches, und schon sind tausend Missverständnis vorprogrammiert.
 Deshalb lassen Sie mich dazu hier etwas schreiben, was uns beiden, Ihnen und mir, hilft, uns besser zu verstehen.
 Im englischen Sprachraum sind die Maler gut dran. Sie sprechen von „paint“ wenn sie im Laden einen Eimer Farbe kaufen und sie sagen „color“, wenn sie über einen Farbton sprechen. Unsere erste Stufe des Missverständnisses ist also unseren englischen Kollegen schon einmal fremd. Für mein Thema stelle ich hiermit voran: Ich spreche hier nur von Farbtönen, über Farben in Dosen, über Chemie also, spreche ich ja auf anderen Seiten hier genug.
 Sie beginnen ein Gespräch mit mir über Farben gern mit seltsamen Begriffen wie „mattes grün“, „schlammfarbig“ oder „Herr Woost, Sie wissen schon, so ein altes Grau“. Was sollen Sie auch tun, Sie versuchen einen Farbeindruck mit Ihrem Gefühl, welches in Ihnen bei dem Gedanken an Ihre Lieblingsfarbe entsteht, sprachlich zu verbinden. Darüber könnte ich nun etwas wunderschön Spöttisches und Böses schreiben. Dazu hätte ich Lust, und das würde sich hier auch gut machen. Aber vor Spott in dieser Sache werde ich mich wohlweislich hüten! Denn leider rede ich ganz genau so daher mit Ihnen, und voller Scham gestehe ich hier auch, weshalb. Ich nämlich sage Sätze wie: „dieser Schrank hat ein wundervolles schwedisches Grün“ oder: „es ist mir gelungen, Ihrer Wohnung ein wirklich gustavianisches Grau zu geben“. Aber wenn SIE den Farben seltsame Adjektive beigeben, versuchen Sie mir etwas mitzuteilen, SIE versuchen zu kommunizieren. Wenn ICH das gleiche tue, ist das leider nicht dasselbe, denn ich versuche dann etwas zu bewirken. Ich versuche dann zu verkaufen. Mein Gerede hat dann einen Zweck.
Farbe kann man einfach nicht benennen! Sie können das nicht. Ich kann das auch nicht.
 
Niemand kann das?
Oh doch, aber dann muß man sich etwas einfallen lassen. Und man hat sich etwas einfallen lassen! Man hat in die Sache ein System gebracht.
Genau genommen sind es verschiedene Systeme. Denn einfach ist das nicht, ein Sinneseindruck eindeutig zu benennen.
Und darum geht es. Es geht darum, mein Sinneserleben zu benennen und Ihnen eindeutig zu beschreiben. Und damit das überhaupt gelingen kann, brauchen all die Lebensbereiche, die mit Farbe in Berührung sind, eine eigene Definition.
Den meisten Definitionen liegt der Farbkreis zugrunde. Goethe und vor allem Newton haben an dem Farbkreis gearbeitet, den Sie und ich schon als Kind in der Schule kennen gelernt haben. Dieser Farbkreis ist weiterentwickelt worden und zu komplexen Farbräumen erweitert worden.
Vor allem aber: Diese sind heute beziffert. So beziffert, dass Farbeindrücke reproduziert werden können.
Das macht vor allem in technischen Bereichen Sinn. Im IT-Bereich. Digitale Bildverarbeitung. Computerkram also. Und in der Herstellung. In der Industrie.
Wenn Sie einen Eimer Farbe kaufen wollen ist die Sache viel einfacher: Sie sehen in der Farbtonkarte des Farbherstellers nach welcher Farbton Ihnen gefällt und schreiten zum Kauf. Vielleicht hat dieser Hersteller dem Farbton eine Nummer gegeben. Diese Nummern haben eine (oft zweifelhafte) Logik, die sich meist an dem obengenannten Farbkreis orientiert, oder der Hersteller ist guter Laune und gibt den Farbnuancen lustige Namen aus Flora und Fauna.
Beides ist gut, denn der Einzelhändler oder Baumarktverkäufer weiß nun genau was Sie wollen und greift in das richtige Regal oder er mischt den Eimer an seiner Hightechmaschine.
Ungünstig wird es nur, wenn Sie Lust haben, mit mir über Ihr Projekt zu sprechen und mir dann von einem Löwenocker oder dem Farbton C-76432 berichten.
Dann bin natürlich ratlos.
Dieser Schwierigkeit aber ist man begegnet, indem man übergeordnet Farben definiert hat. Vor allem in Industrie, Behörden und bei Großverbrauchern hat man eine Farbsystematik entwickelt,  die eine eindeutige Festlegung möglich macht. Die RAL-Farbtonkarte.
Diese besteht aus lediglich ca. 300 Farbtönen. Angesichts der 5-10 Millionen Farbtöne, die der durchschnittliche Mensch zu unterscheiden vermag, eine mikroskopische Zahl. Sie deckt aber einen sehr großen Bereich der Farbtöne ab, die zur Anwendung kommen.
Diese RAL-Farben sind übrigens nur in Deutschland en Vogue. Im Ausland läuft´s anders. Und von HKS-Tönen, Webfarben und Pantone hab ich keine Lust zu berichten. Alles gute Definitionen. Oh, nicht zu vergessen die DIN 6164.
Wie können Sie und ich also nun sinnvoll miteinander kommunizieren?
Wenn Sie vom Fach sind, z.B. aus der Druck- oder Onlineindustrie kommen, können Sie RGB oder CMYK-Verhältnisse nennen. Eine klare Sache.
Für Bauherren: Ich bin mit einer Farbnummer und dem dazugehörigen Farbhersteller zufrieden. Das kann ich dann nachvollziehen, jedenfalls meistens. Auch das ist eine klare Sache.
Falls die 300 Töne reichen, ist die RAL-Karte am einfachsten, weil sie die größte Verbreitung hat. Auch das: Eine klare Sache.   Falls Sie das einmal sehen wollen Klick >>>
Oder Sie zeigen mir den Farbton. Eine Krawatte, eine Fliese, eine Gardine, das alles ist eine einfache Farbdefinition. Eine klare Sache.
Und wenn ich Ihnen eine Farbe beschreiben soll? Sollte ich Ihnen einmal eine Farbe mit einem Adjektiv beschreiben wie „tief“ , „historisch“ oder „wundervoll“ haben Sie nun gelernt: Entweder will ich Ihnen etwas verkaufen oder ich bin grad aus dem einen oder anderen Grund mental eingeschränkt.
Ansonsten werde ich immer bemustern! Denn reden bringt bei Farbe keine Klarheit zwischen uns.
 
P.S.: Sie sehen hier unseren Farbmusterraum. Gern zeigen wir Ihnen unsere Kollektionen.
 


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